Steckbrief: das Murmeltier

Murmeltiere sind Familientiere
Ein lautes Pfeifen in den Südtiroler Bergen. Nichts ungewöhnliches – das ist der Warnruf des Murmeltiers an die Familie! Murmeltiere leben in Familiengruppen, meistens oberhalb der Baumgrenze. Diese Familien bestehen aus einem erwachsenen Paar und einer unterschiedlichen Anzahl von bis zu zweijährigen Nachkommen. Die Jungen bleiben nämlich bis zu ihrer Geschlechtsreife – die sich nach der zweiten Überwinterung erreichen – bei ihren Eltern. Pro Jahr werden 3-4 (2-9) Junge geboren. Da aber ein Weibchen nicht jedes Jahr wirft, können auch Jahrgänge fehlen. Daher schwankt die Gruppengröße. Im Extremfall besteht sie nur aus einem Paar oder aber aus bis zu 20 Tieren.

Ein Revier für jede Familie
Jede Familie bewohnt ein Revier, das klar gegen Nachbar-Territorien abgegrenzt ist. Der Familienvater verteidigt sein Revier energisch gegen fremde Menschen, während die Mutter fremde Weibchen fern hält. Jungtiere können meist ungestraft in fremde Reviere eindringen.

Fast 90 % des Lebens im Bau
Murmeltiere halten im Bau etwa ein halbes Jahr Winterschlaf. Auch im Sommer bleiben sie tagsüber nur 5 – 10 Stunden an der Oberfläche. Die Nacht verbringen sie ohnedies im Bau. Der Bau setzt sich aus einem verzweigten Tunnel-System mit Erweiterungen bei „Gegenverkehr“ und Kammern zusammen. Es gibt auch eigene „Murmeltiertoiletten“.
Es gibt Sommer- und Winterbaue, manche Baue werden aber auch das ganze Jahr genutzt. Die Nestkammern liegen an den Sommerbauen meist nur bis 1,5 Meter unter der Oberfläche, in Winterbauen deutlich tiefer, im Extremfall bis in 7 Metern Tiefe. Neben dem Wohnbau gibt es über das Revier verteilt noch zahlreiche Fluchtbaue. Diese einfachen Röhren sind kaum länger als einen Meter und bieten raschen Schutz bei Gefahr.

Mehr als ein halbes Jahr Winterschlaf
Von Ende September oder Anfang Oktober bis in die zwei Aprilhälfte halten Murmeltiere Winterschlaf. Dabei schlafen sie nicht wirklich, sie verfallen in eine Kältestarre, in ein „Leben absoluter Sparflamme“. Dafür zieht sich die gesamte Familie in die Schlafkammer zurück. Im ausgepolsterten Nest kuscheln sie sich eng aneinander und reduzieren all ihre Körperfunktionen. Insgesamt reduziert sich die Stoffwechselaktivität auf nur 3 bis 5% der sommerlichen Stoffwechselrate. Aus noch ungeklärten Gründen erwärmen sich jedoch die Winterschläfer ca. alle 12 Tage kurz auf fast normale Körpertemperatur, um danach wieder in Kältestarre zu verfallen. Währen der 6-7 Monate Winterschlaf verlieren die Tiere zwischen 30-50% ihres Körpergewichts. Dabei verbrauchen sie vor allem jenes Fett, dass sie sich im Laufe des Sommer angefressen haben, ausschließlich über Grünfutter.

Quelle: Nationalparkhaus Mittersill (A)


Martin Niederkofler
Martin Niederkofler

Veröffentlicht am 14. November 2016