Geologie (1) Südtirols – ein Streifzug.

Das Land auf zwei Kontinenten
Südtirol – ein Land der Berge. Ein Gebiet in welchem unterschiedliche Landschaftscharaktere aufeinandertreffen, die auf eine Vielfalt von tektonischen und stratigraphischen Besonderheiten zurück zu führen sind, denn Südtirol ist ein Land auf zwei Kontinenten! Es hat Anteil an den Zillertaler Alpen, den Hohen Tauern, den Ötztaler und Stubaier Alpen. Die Ortlergruppe, die Sarntaler Alpen und nicht zuletzt die „Bleichen Berge“, die Dolomiten, seit 2009 UNESCO WELTERBE, liegen geographisch innerhalb Südtirols oder grenzen daran an.
Aus geologischer Sicht finden sich in Südtirol nämlich Gesteine, die ursprünglich auf zwei Kontinenten gebildet worden sind: in der Nordhälfte des Landes tritt der Europäische Kontinent, mit den sich später abspaltenden Penninischen Einheiten, hervor. Im Süden findet sich der Adriatische Mikrokontinent (Apulische Platte), ein abgesplitterter Teil von Afrika, mit seinen Ostalpinen und Südalpinen Einheiten.
Naturgemäß entsteht an diesen unterschiedlichen paläogeografischen Positionen im Lauf der Jahrmillionen eine entsprechende Vielfalt von Gesteinen. Durch die alpine Gebirgsbildung grenzen nun die verschiedensten Einheiten auf engstem Raum unmittelbar aneinander. Die unterschiedlichen Gesteine „reagieren“ gegenüber der Beanspruchung durch die Vergletscherung während der Eiszeiten, gegenüber Verwitterung und Erosion äußerst differenziert. In dieser Entwicklung, die einige hundert Millionen Jahre Erdgeschichte repräsentiert, liegt die ausgeprägte Diversität der Südtiroler Landschaft begründet.

Die geologische Zweiteilung Südtirols
Südtirol wird durch eine markante Struktur geologisch zweigeteilt. Während der Süden vorwiegend von magmatischen und sedimentären Gesteinen geprägt wird, ist der Norden durch metamorphe Gesteine dominiert. Die auffallende Trennlinie zwischen diesen großen Einheiten wird als „Periadriatische Naht“ bezeichnet und ist eine der prominentesten tektonischen Strukturen in den Alpen. Diese Linie stellt die Grenze zwischen Südalpin und den Ostalpinen Einheiten dar. Erst die Kollision der Adriatischen Platte mit dem Europäischen Kontinent führt zur Überschiebung des Ostalpins auf das Penninikum (vereinfacht ausgedrückt zählen dazu die Ablagerungen in der Nähe zum ehemaligen europäischen Kontinentalrand und im Penninischen Ozean). Diese Kollision führt zur eigentlichen Gebirgsbildung (Orogenese) der Alpen und zum heutigen Nebeneinander unterschiedlichster Gesteinseinheiten.
Der Untergrund des Südalpins wird vorwiegend durch Quarzphyllite des Erdaltertums (Paläozoikum) gebildet. Gegen Ende des Paläozoikums (vor ca. 260 – 250 Mio. Jahren) setzt verstärkt magmatische Tätigkeit ein, ein Teil der Schmelzen blieb in etwa 12 km Tiefe stecken und erstarrte dort (z.B. Brixner Granit), ein anderer Teil trat an die Erdoberfläche aus und bedeckte riesige Flächen (Bozner Quarzporphyr). Erst mit Beginn des Erdmittelalters (Mesozoikum, ab 250 Mio. Jahren vor heute) erfolgt die Ablagerung jener Gesteine, die das markante Erscheinungsbild der Dolomiten und der Brenta prägen.

Die metamorphen Gesteine nördlich der Periadriatischen Naht
Geologisch werden hier wiederum zwei Großeinheiten voneinander unterschieden. In den Zillertaler Alpen tritt mit dem Zentralgneis die Europäische Kruste zutage, überlagert von schiefrigen Hüllgesteinen, die am Kontinentalrand und am Boden des ehemaligen Penninischen Ozeans abgelagert wurden. Die zweite Großeinheit, das Ostalpin, stellt den ursprünglichen Nordrand des Adriatischen Mikrokontinents (Apulische Platte) dar. Hier sind vor allem Glimmerschiefer, Gneise und andere metamorphe Gesteine des frühen Erdaltertums vertreten. Nur sporadisch sind noch Reste einer ehemaligen Sedimentbedeckung aus dem Mesozoikum vorhanden (z. B. Tribulaungruppe, Ortler). Im Zuge der alpinen Gebirgsbildung sind in junger Zeit (vor ca. 30 Millionen Jahren) noch einmal tonalitische Gesteinsschmelzen in diese Serien eingedrungen und erstarrt (z. B. Rieserferner- und Rensenpluton, Gänge im Ortlergebiet).
Die letzte Prägung der Landschaft erfolgte erst im Laufe der Eiszeiten, deren letzte (sog. Würm-Eiszeit) ihren Höhepunkt erst vor ca. 20.000 Jahren hatte. Das heutige Erscheinungsbild wird durch die andauernden Erosionsvorgängen laufend verändert.

Quelle
Einführung in die Geologie Südtirols, 2005 (Volkmar Mair)

Die Naturparke in Südtirol

In Südtirol gibt es 7 Naturparks und man hat Anteil am Nationalpark Stilfser Joch. Die Naturparke Südtirols werden an dieser Stelle kurz vorgestellt.

Naturpark Drei Zinnen
Die Drei Zinnen. So wie diese, aus alpingeschichtlicher Sicht bedeutende Felsformation, heißt auch der gleichnamige Naturpark, der seit dem Jahr 1981 besteht. Das  Schutzgebiet weist eine Fläche von 119 km² auf und verteilt sich auf die Gemeinden von Toblach, Sexten und Innichen, es umfasst damit den nordöstlichen Eckpfeiler der Dolomiten. Der Naturpark wird im Norden vom Pustertal, im Osten vom Sextner Tal, im Süden durch die Landesgrenze zu Belluno und im Westen durch das Höhlensteintal begrenzt.

Naturpark Rieserferner-Ahrn
Am Naturpark Rieserferner-Ahrn haben die Gemeinden Sand in Taufers, Gais, Percha, Rasen-Antholz, Ahrntal und Prettau Anteil. Die Naturparkgrenze verläuft vom Hinteren Ahrntal (Gemeinde Prettau) bis zum Stallersattel im Osten, wobei das Antholzertal die östliche bzw. südöstliche Begrenzung darstellt. Seit 1988 gibt es diesen Naturpark der eine Fläche von rund 313 km² aufweist und im Nordosten direkt an den Nationalpark Hohe Tauern angrenzt. Im Nordwesten knüpft sich das Gebiet nahtlos an dem Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen, weshalb die drei Schutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 2530 km² den größten Schutzgebietsverbund Europas darstellen.

Naturpark Schlern-Rosengarten
Im Jahr 1974 gegründet ist es Südtirols ältester Naturpark. Das 73 km² große Schutzgebiet befindet sich in den westlichen Südtiroler Dolomiten und zählt gleichzeitig zum Dolomiten UNESCO Welterbe. Die Gemeinden Kastelruth, Tiers und Völs am Schlern haben Anteil am Schutzgebiet. Der Schlern, die Santner Spitze, ebenso das bekannte Rosengartenmassiv mit der geheimnisvollen Sage von König Laurin sind ein Teil dieses Naturparks. Ebenso gehören die Bergwälder um Seis, Völs und Tiers sowie das Tschamintal dazu.

Naturpark Texelgruppe
Der größte Naturpark in Südtirol (gegründet 1976) präsentiert sich unter dem Motto „Vom Wasser und vom Licht“ und umfasst eine Fläche von rund 310 km². Das Schutzgebiet verteilt sich auf 8 Gemeinden: Schnals, Naturns, Partschins, Algund, Tirol, Riffian, St. Martin und Moos in Passeier. In geographischer Hinsicht liegt das Schutzgebiet zwischen dem Schnalstal im Westen und dem Passeiertal im Osten. Im Norden wird es vom Alpenhauptkamm, im Süden vom unteren Vinschgau/Burggrafenamt begrenzt. Es umfasst die gesamte Texelgruppe, die nordwärts daran anschließenden Ötztaler Alpen mit dem Schnalser und dem Gurgler Kamm, sowie einen kleinen Anteil der Stubaier Alpen zwischen Timmelsjoch und Timmelsjochberg.

Naturpark Puez-Geisler
Auch bekannt als „Das Geschichtsbuch der Erde“ sind im Naturpark Puez-Geisler neben den für die Dolomiten typischen Gesteinsarten vor allem die geomorphologischen, prägenden Strukturen der Dolomitenlandschaft besonders gut erklärbar. Gegründet im Jahr 1978 wird das Gebiet im Norden vom Würzjoch und im Süden vom Grödner Joch begrenzt. Im Osten reicht das Gebiet zum Gadertal (Kampill, Untermoj), im Westen ins Villnösser und bis zum Grödner Tal. Den nördlichen Teil beherrschen die Aferer & Villnösser Geisler & der Peitlerkofel, den südlichen die Hochfläche von Gherdenacia, Sassongher, Puez (mit dem Langental) und die Cirgruppe.
Im Jahre 1999 wurde der Naturpark erweitert und umfasst nun eine Fläche von rund 107 km². Naturparkgemeinden sind: Abtei, Corvara, Villnöss, St. Martin in Thurn, St. Ulrich, St. Christina in Gröden und Wolkenstein in Gröden. Vom Villnösstal abgesehen, sind alle anderen Naturparkgemeinden ladinische Gemeinden.

Naturpark Fanes-Sennes-Prags
Dieses Schutzgebiet wurde im Jahr 1980 gegründet und erstreckt sich auf die Gemeinden Abtei, Toblach, Wengen, Enneberg, Olang und Prags. Mit einer Fläche von rund 254 km² grenzt dieses Gebiet im Norden an das Pustertal, im Süden reicht es bis zur Landesgrenze und geht dort in den Parco Naturale delle Dolomiti d’Ampezzo über. Im Westen dehnt sich der Naturpark über die Hochflächen von Sennes und Fanes bis hin ins Gadertal aus. Die Ostgrenze bildet das Höhlensteintal, wobei ein nahtloser Übergang zum Naturpark Drei Zinnen gegeben ist. Als Teil des Sektors „Nördliche Dolomiten“ (System 5) zählt das Gebiet zum “UNESCO-Welterbe Dolomiten“.

Naturpark Trudner Horn
Gegründet im Jahr 1980, erweitert im Jahr 2000: der Naturpark Trudner Horn hat eine Fläche von rund 68,5 km². Die Gemeinden Altrei, Montan, Neumarkt, Salurn und Truden haben Anteil am Schutzgebiet, welches sich auf der orographisch linken Seite des Etschtales im Südtiroler Unterland befindet. Im Norden ist es durch die Ausläufer des Fleimstales, im Südosten durch das Cembratal und im Westen durch das Etschtal (von Neumarkt bis zur Salurner Klause) begrenzt. Von allen Südtiroler Naturparks findet sich hier aufgrund der klimatischen Gegensätze die artenreichste Flora und Fauna: im Nordosten herrscht ein raueres Klima, das südwestliche Gebiet ist klimatisch submediterran geprägt.